
4.7.-7.8.2006
SUPPENKÜCHE
Fotografien von Sabine Wild
Auf den Fotografien von Sabine Wild sehen wir nur Schuhpaare und Unterschenkel. Alle sind aus der gleichen Perspektive
frontal mit einer auf dem Boden liegenden Kamera aufgenommen. Das ein oder andere Modell verweist aufgrund seines
Designs auf das Geschlecht des Trägers, aber sein Alter und Aussehen bleiben verborgen.
Die Anonymität der portraitierten Personen ist beabsichtigt. Denn diese Fotografien sind im Zuge des 2005 vom
Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf initiierten Fotoprojektes „Armut vor unserer Haustür“ mit dem speziellen Fokus auf den
gutbürgerlichen Bezirk Steglitz-Zehlendorf in Berlin entstanden.
Sabine Wild hat sich in die Suppenküche der Pauluskirche Zehlendorfs begeben, in die sich aufgrund steigender Armut
mehr und mehr Besucher drängen.
Um ihre Würde nicht zu verletzen, hat sie die Besucher darum gebeten, nur ihre Schuhe
fotografieren zu dürfen.
Das alte Sprichwort „Zeige mir deine Schuhe und ich sage dir, wer du bist“ widerspricht hier dem Klischee dessen, was
man sich unter einem potentiell sogar obdachlosen Gast einer Suppenküche vorstellt. Alle tragen Schuhe mit durchaus
normalen Abnutzungs- oder Verschmutzungserscheinungen. Das lässt vermuten, dass sich die Armut in Steglitz-Zehlendorf
bereits in bürgerlichen Kreisen ausgebreitet hat. Und dass den Gästen des kostenlosen Mittagstisches sehr daran gelegen
scheint, sich diese Armut nicht ansehen zu lassen.
Website von Sabine Wild: www.kunstwild.de